Gedankenpost: Stop being so f***ing GERMAN !

Hallo meine Lieben,

es wird mal wieder Zeit für ein paar Worte zum Sonntag! Diesmal berichte ich euch von einem mehr als skurrilen Erlebnis und wieso ich immer mal wieder daran denken muss. Hier findet ihr übrigens meinen letzten Gedankenpost.

Ich weiß nicht mehr genau wieso ich dort an dieser riesigen Straße, umgeben von beeindruckenden Wolkenkratzern, in meiner Gammeljacke und meiner einzigen Jeans, textend stand…ich weiß nicht auf wen ich wartete oder wem ich geschrieben habe, aber dieser Moment hat sich in mein Gehirn gebrannt.

Sydney, Australien: Ich liebe diese Stadt, in keiner anderen Stadt konnte ich stundenlang einfach so umher laufen, obwohl ich doch immer an den gleichen Spots landete. Sei es auf der Harbor Bridge, in dieser kleinen Einbuchtung, wo man so schön auf das Opera House und die Skyline schauen kann, oder die Art Gallery wo ich jeden Mittwoch Abend war, da es dann immer Talks und Live Musik gab oder einfach laufend durch die Straßen, die ich schon nach kurzer Zeit in und auswendig konnte. So, stand ich da also, ich war ein Teil dieser Stadt, fühlte mich Zuhause wie ich es noch nie gefühlt habe, nicht mal in meiner Heimatstadt. Und Sydney war ein Teil von mir.

“STOP BEING SO FUCKING GERMAN”

hallte es noch in meinen Ohren, erschrocken sah ich von meinem Handy auf, nur um einem Mitte Zwanziger, dunkelhaarigen Mann (Jungen, was auch immer) in die Augen zu schauen. Er war nicht aggressiv und auch nicht wütend, er schien mir genauso verwirrt zu sein, wie ich es war. Ich war weniger verwirrt, dass ein wildfremder Mann mich anschrie, vielmehr war ich verwirrt, weil ich mich fragte, was mich als Deutsche geoutet hatte. Und genau dieser Moment brannte sich in mein Gehirn, sollte ich wirklich aufhören “Deutsch” zu sein und was sollte das überhaupt bedeuten? Nur um die Story noch flott zu beenden, der Typ fragte mich dann, ob ich mal Lust hätte mit ihm was trinken zu gehen und er schien mir ziemlich auf Drogen gewesen zu sein. Natürlich bin ich nicht mit ihm ausgegangen und hab mich so schnell wie möglich aus dem Staub gemacht. Jetzt aber zurück zu meinen Gedankenwirrwarr!

Wenn man für längere Zeit auf Reisen ist, lernt man jegliche Art von Leuten kennen und natürlich möchte man keine Nationen über einen Kamm scheren, aber irgendwas hat mich an dem Tag geoutet und verschiedene Verhaltensmuster sind nun mal typisch Deutsch. Mein Freund, der Brasilianer ist, macht sich auch oft darüber lustig, dass ich pünktlich sein möchte oder das ich manche Dinge zu ernst nehme, aber wann ist das Maß voll? Wann sollte ich wirklich aufhören so fucking german zu sein?

Ich denke an diese Situation so oft zurück, weil ich mir wünschte ich könnte es dem Ein oder Anderen auch mal so ins Gesicht schreien, manchmal sind es auch nur Situationen, die so Deutsch sind, dass ich es kaum noch ertrage. Manche Situationen realisier ich gar nicht, weil sie für mich “normal” sind. Beispielsweise war ich in dem neuen Avengers Film und plötzlich nach einer Stunde gab es eine Pause, mein Freund fand das lustig und meinte, dass es sowas bei ihm nicht gebe. Ich erklärte ihm, dass es Vorschrift sei, bei einer gewissen Länge des Films und erntete nur ein “Typisch Deutsch”.

Zudem war es auch so, dass ich wohl der Inbegriff der Deutschen war, als ich in Kenia im Hostel gearbeitet habe. Natürlich sehe ich schon ziemlich deutsch aus, groß und blond, aber ich durfte mir fast jeden Morgen, als es Frühstück gab und mein lieber Kiffer Freund Pablo sich um 10 Uhr schon den ersten Joint rollte, anhören, dass ich weniger deutsch sein solle und vielleicht mal anfangen sollte zu kiffen. Mit dem Kiffen habe ich nicht angefangen, aber ihn nahm es mir doch zu Herzen und versuchte weniger genau zu sein, nicht immer pünktlich bei der Arbeit zu erscheinen, da es echt Keinen interessierte und einfach mal loszulassen.

Ich glaube das ist auch so ein Grund, warum mich Ländern, die so komplett anders sind als Deutschland und Teile Europas so reizen, die Leuten sind so anders, meistens viel offener, lockerer und dann realisiere ich doch, wie fucking german ich eigentlich bin…

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Hey guys,

It’s time again for a new blogpost full of my thoughts! This time I tell you about a more than bizarre experience and why I have to think of it again and again, even years after it happened.

I can not remember exactly why I was standing there on that huge street, surrounded by impressive skyscrapers, in my old jacket and my only jeans, texting … I do not know who I was waiting for or who I send a message to, but that moment burned itself into my brain.

Sydney, Australia: I love this city, in no other city could I walk around for hours, even though I always landed at the same spots. Be it on the Harbor Bridge, in this small corner, where you can look so beautiful at the Opera House and the skyline, or the Art Gallery where I was every Wednesday night, as there was always talk and live music or just walking through the streets, which I was able to memorize after a short time. So, I stood there, I was a part of this city, felt at home as I have never felt, not even in my hometown. And Sydney was part of me.

“STOP BEING SO FUCKING GERMAN”

It still echoed in my ears, startled, I looked up from my cell phone, only to look in the eyes of a mid-twenties, dark-haired man (boys, whatever). He was not aggressive or angry, he seemed to me as confused as I was. I was less confused that a stranger was shouting at me, rather I was confused because I wondered what had outed me as a German. And just that moment burned into my brain, should I really stop being “German” and what does that mean anyway? Just to finish off the story, the guy then asked me if I would like to have a drink with him and he seemed pretty much into drugs. Of course I did not go out with him and got out of the way as soon as possible. But now back to my mind wandering!

If you travel for a long time, you get to know all kinds of people and of course you do not want to shuffle nations, but something has outed me that day and different patterns of behavior are typically German as a matter of a fact. My boyfriend, who is a Brazilian, often makes fun of me being on time or taking some things too seriously, but when is it too much? When should I really stop being so fucking german?

I think back to this situation so often, because I wish I could shout it in the face of one or the other, sometimes it’s just situations that are so German that I can barely stand it anymore. Some situations I do not realize, because they are “normal” for me. For example, I was in the new Avengers movie and suddenly after an hour there was a break, my boyfriend thought it was funny and said there was nothing like that in Brazil. I explained to him that it is a requirement at a certain length of the film and his only answer was “typical German”.

In addition, it was also that I was probably the epitome of the Germans, when I worked in Kenya in the hostel. Of course I look pretty German, tall and blond, but almost every morning when there was breakfast and my dear stoner friend Pablo (at 10 o’clock) already rolled the first joint, he told me that I should be less German and maybe even start smoking. I did not start smoking, but it took it to my heart and tried to be less precise, not always punctual at work, as it really did not interest anybody and just let go.

I think that’s one of the reasons why I love to travel to countries that are so completely different from Germany and parts of Europe, the people are so different, usually much more open, relaxed and then I realize how fucking german I actually am…

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4 Kommentare

  1. 27. Mai 2018 / 15:49

    Toll geschrieben! Ein Freund von mir (er kommt aus dem Süden) machte sich letztens auch erst über mich lustig, wie “deutsch” ich eigentlich in manchen Hinsichten bin. Mir selbst ist das nie so wirklich aufgefallen, aber manche Gewohnheiten werde ich versuchen abzulegen 😀

    Liebe Grüße,
    Julia

  2. 28. Mai 2018 / 2:44

    Oh ja das kenne ich zuuu gut! Ich bin auch gerade in Australien unterwegs und die Menschen sind einfach so anders. Vieles finde ich besser als das typisch deutsche. Denn ganz ehrlich viele Deutsche sind einfach so verbissen und alles muss geplant sein und bloß immer allen Regelen folgen. Hier habe ich so so oft gehört “Don’t worry” und ich liebe diese Lebensweise echt. Aber ja einige deutsche Eigenschaften möchte ich definitv beibehalten und die sind auch super so 🙂 Man kann sich nur sicher auch Dinge von anderen Ländern abgucken 🙂

    Liebst, Sarah von Belle Mélange

  3. 30. Mai 2018 / 10:26

    Ein toller Post und super geschrieben. Aber hey, wir Deutschen können auch locker, spontan und humorvoll sein. Es kommt auch immer darauf an aus welcher Region man hier kommt. Deutsch ist nicht gleich Deutsch. Es gibt einige Bundesländer die wir hier belächeln, weil sie einen Stock im Hintern haben. Wir Pfälzer sind da aber doch lockerer und haben viel Spaß singen und tanzen. Da kenne ich Regionen die so trocken sind. Grausam. Trotz allem sollte man immer sich selbst treu bleiben. ist doch super, dass du eine Deutsche bist. Deshalb brauchst du dich doch nicht zu ändern. Sei immer du selbst, so bist du perfekt.
    Liebe Grüße Michelle von mishy-hofmann.de

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