Gedankenpost – Wie mir das Herz gebrochen wurde

Gedankenpost - Wie mir das Herz gebrochen wurde - willascherrybomb - yvonne karnath

Hallo meine Lieben,
im heutigen Gedankenpost möchte ich euch davon berichten, wie mir diese Woche das Herz gebrochen wurde.

Zuerst möchte ich bemerken, falls ihr auf diesen Blogpost geklickt habt, da ihr eine herzzerreißende Liebesgeschichte erwartet habt oder auf der Suche nach einer Runde Gossip wart, dann seid ihr hier leider an der falschen Adresse. Ich kann euch mit einer absoluten Sicherheit sagen, dass ihr es so nicht erwartet habt!

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Wie mir das Herz gebrochen wurde

In meinen Gedankenposts, teile ich jeden Sonntag meine Gedanken und Gefühle, zu einem Thema, Ereignis, Gespräch oder sonst irgendwas, was in dieser Woche meine Aufmerksamkeit erhascht hat. Diesmal um eine kleine Begegnung, die ich in einem Gefängnis in Kolumbien erleben durfte.

Meine regelmäßigen Leser wissen, bin ich momentan auf der kleinen Insel San Andres, die zwar offiziell zu Kolumbien gehört, aber wirklich mitten im Nirgendwo ist. Schaut mal bei Google Maps. Hier arbeite ich ehrenamtlich und eins unserer Projekte ist das Erstellen, beziehungsweise Errichten eines Raumes für die Häftlinge, wo sie ihrer Kreativität freien Lauf lassen können und im Prinzip basteln können, um dies zu verkaufen.

Wie man es sich schon denken kann, ist ein kolumbianisches Gefängnis nicht mit einem deutschen zu vergleichen. Die Leute haben wirklich nichts und brauchen Geld zum Überleben. Falls euch das Thema und unsere Arbeit interessiert, verlinke ich euch hier den Blogpost dazu.

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Der Kontakt mit Unmenschlichkeit

Wir arbeiten in einem Raum, werden immer eingeschlossen, obwohl manchmal Häftlinge auch mit uns mitarbeiten. Donnerstag und Freitag waren wir dort. Hierbei müsst ihr verstehen, dass dieser Raum direkt neben dem alten Bastelraum ist, sodass die Häftlinge uns die ganze Zeit zuschauen und mit uns sprechen können. Donnerstag waren wir gute 8 Stunden dort und sind danach alle ins Bett gefallen, demnach war die Motivation am Freitag nicht ganz so groß. Es wurde immer später und später, ich machte mir schon einen Kopf, wie ich den Rest meiner Arbeit noch erledigen muss, wenn ich wieder im Hostel bin und eine große Geburtstagsfeier auch noch am Abend anstand.

Komplett in Gedanken versunken arbeitet ich also vor mir her und dann passierte das und gab mir einen regelrechten Schlag in die Fresse….

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Denkt mal nach, was ist das was wir alle brauchen, wir im Prinzip überall bekommen und an sich keinen hohen Wert hat (auf das Geld bezogen)? Na, keine Ahnung? Die Antwort ist Wasser!
Ich stand dann dort, alle arbeiteten vor sich hin, bis eine Wächterin mit Wasser in Plastiktüten (ja das ist hier leider so) in den Raum kam und uns Wasser anbot. Ich hatte mein eigenes Wasser dabei und wollte gerade ablehnen, als eine aus der Gruppe mir sagte ich soll es nehmen und extrem ernst schaute. Ich nahm es und sie erklärte mir, dass die Häftlinge kein Wasser bekommen.
In dem Moment fiel ich aus allen Wolken, das sie keine Coca Cola oder ein Snickers bekommen ist mir klar, aber Wasser?! Sie fuhr fort und erzählte mir, dass sie eine kleine Portion von ca. 250ml pro Essen bekommen, das sind 3 Essen am Tag, somit kommen sie auf gerade mal 750ml pro Tag. Wir wissen alle, dass das nicht genug ist. Vor allem bei 30 Grad…
Sie müssen sich das Wasser selber kaufen, daher ist unser Bastelraum auch so wichtig, da die Häftlinge ein Einkommen aufbauen können.

Und dann passierte es…

Wir beschlossen also all unser Wasser an die Häftlinge zu verschenken. Ich gab mein Wasser an andere ehrenamtliche Arbeiter weiter, die es dann an die Häftlinge gaben. Am Ende des Tages fand ich noch 2 Tüten und beschloss zum anderen Zimmer zu gehen und es auch zu verschenken. Ich werde den Blick in den Augen von diesem Mann niemals in meinem Leben mehr vergessen. Wie dieser sich über eine Plastiktüte voller Wasser gefreut hat. Mir schossen direkt die Tränen in die Augen und selbst jetzt wenn ich daran denke, könnte ich weinen. Ich finde es so grausam, wie etwas was wir wie Luft zum Atmen brauchen, wie Gold behandelt wird.

Vor allem müsst ihr verstehen, dass San Andres eine absolute Urlaubsinsel ist. Selbst jetzt, wenn ich diesen Artikel schreibe und mich an dieses Erlebnis zurückerinnere. Höre ich draußen Menschen lautstark und alkoholisiert singen. Versteht ihr was ich meine? Dieser starke Kontrast von Partyinsel, bis hin zu Menschen, die nicht mal genug Wasser am Tag bekommen…

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Selbst ich fing mir an Vorwürfe zu machen, die gerade noch über ihre First World Problems nachgedacht hat und eigentlich von so viel Leid umgeben ist, dass sie sich glücklich schätzen sollte. Es zeigt mir nicht nur, wie viel Arbeit ich noch in mich selber stecken muss, aber auch wie wertvoll und wichtig unsere Arbeit im Gefängnis ist. Ich hoffe euch bald das beendete Projekt zu zeigen, obwohl ich hier bald abreisen werde.

Wie sehen eure Gedanken zu diesem Thema aus? Weitere Gedankenposts findet ihr hier!

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4 Kommentare

  1. 31. März 2019 / 15:19

    Hui das ist krass. Ich glaube ich hätte so reagiert wie du. Das ist wirklich kein Zustand :(.
    Liebe Sonntagsgrüße!

  2. 31. März 2019 / 19:52

    Man kann sich kaum vorstellen, was sich in anderen Teilen der Welt abspielt, wenn man es nicht selbst erlebt hat. Wirklich sehr toll geschrieben, mir liefen die Tränen und manchmal muss man eben diese unwichtigen Probleme hinter sich lassen und an die richtigen denken!

    Liebe Grüße, Franzi
    von http://www.smellslikefashion.de

  3. marieschindler
    1. April 2019 / 22:18

    Hey, das ist ja echt heftig… Ich finde es klasse, dass du solche Themen hier auf deinem Blog auch thematisierst.
    Liebe Grüße,
    Marie

  4. 2. April 2019 / 11:08

    Das klingt wirklich sehr unschön… Finde es toll, dass du dich mit sowas beschäftigst und da mit deiner Arbeit Menschen hilfst!

    Liebe Grüße,
    Carmen

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