Solo Travel – Meine Erfahrung in einem kolumbianischen Gefängnis

Solo Travel - Meine Erfahrung in einem kolumbianischem Gefängnis - willascherrybomb

Hallo meine Lieben,
heute geht es um all die Gründe, warum wir alle mal ein kolumbianisches Gefängnis besuchen sollten!

Wie ich in meinem letzten Gedankenpost schon angesprochen habe, wird sich auf meinem Blog nun einiges ändern. Ich habe vor das Thema Mode fast komplett zu streichen, weil es einfach nicht mehr zu mir und meinem Leben dazugehört. Ich hatte vor kurzen auch noch eine Konversation mit einem Amerikaner im Hostel über die Modewelt und meine Erfahrungen hinsichtlich des Bloggens (Fashionweek, Bloggerevents, etc.) gehabt und meine Antwort war nur „It’s pretty much fucked up“. Das bringt es meiner Meinung nach auf den Punkt. Mit dem Bloggen und der Plattform die ich mir hier erschaffen habe, möchte ich nicht weiter Themen bearbeiten, die mein Herz nicht höher schlagen lassen. Vielleicht wird es hier dann auch ein wenig ruhiger, bis ich herausgefunden habe, wie ich das genau anstellen möchte, aber von nun an ist es eben so.

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Meine Erfahrung in einem kolumbianischem Gefängnis

Als erstes Thema was ich mir ausgesucht habe, geht es um meine Erfahrung in einem kolumbianischen Gefängnis. Japs, ich war im Gefängnis! Zwar nicht als Insasse aber hautnah und sogar mit Kamera!

Ich arbeite momentan in einem Hostel auf der kleinen, aber feinen Insel San Andres in Kolumbien. Neben er paradiesischen Insel ist es schon ein interessanter Kontrast zu unserem Besuch im Gefängnis und zugleich etwas womit ich im Leben nicht gerechnet hätte. Ich mein, wer kann schon behaupten in einem kolumbianischen Gefängnis gewesen zu sein?

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Was haben wir dort gemacht?

Die Besitzerin des Hostels ist eine richtige Powerfrau und hat mich vom ersten Tag umgehauen. Mal ganz davon abgesehen, dass sie alles alleine managed, hat sie zwei Gemeinschaftsprojekte am laufen unter anderem eben im Gefängnis. Wir sollten dort ein Zimmer renovieren, um einen Ort zu erschaffen, wo Insassen englisch lernen und basteln können. Auch in kolumbianischen Gefängnissen regiert das Geld, sodass sie eine Einnahmequelle brauchen und vielleicht auch einfach mal den Alltag vergessen möchten. Das Gebastelte wird dann draußen verkauft. Neben viel Dekoration gibt es einen Mann, der Plastikmüll nimmt und wie auch immer Fäden darauf zieht, die er dann zu einem Beutel verstrickt. Es ist absolut unglaublich! Ich habe es gesehen und fand es einfach nur klasse!

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Wie war es nun?

Es war ein Erlebnis! Ich muss sagen, dass es mich sehr überrascht hat, wie frei die Insassen dort rumlaufen konnten, wie freundlich man mir gegenüber war und wie ich mich in keinster Weise unsicher gefühlt habe. Ganz im Gegenteil, ich musste mich zeitweise erinnern, dass diese Menschen teilweise SEHR schlimme Dinge getan haben und wir WIRKLICH in einem Gefängnis in Kolumbien sind. Es gab auch Insassen die uns geholfen haben, was mich verdammt glücklich gemacht hat, denn es war eine sauharte Arbeit. Wir sind auch immer noch nicht fertig, wollen es noch schöner gestalten.

Da ich als „Fotografin“ dort war, was generell nicht erlaubt ist, aber durch das ehrenamtliche Projekt eine Ausnahme gemacht wurde. Durfte ich auch nach oben in den ersten Stock, um mir die Zellen und das Bad anzuschauen. Es ist wirklich schlimm und kam mir eher vor als sei ich in einem Zoo. Mein Herz wird immer noch schwer, wenn ich daran denke, vor allem, da uns die „schlimmsten“ Zellen gar nicht gezeigt wurden. Neben dem Bastelraum war nämlich ein Gang mit weiteren Zellen, dieser Gang war extrem dunkel. Im Laufe des Tages, wurde es einmal auch ziemlich laut. Drei Insassen haben wohl irgendwas „falsches“ gemacht und wurde in eine dunkle Ecke gesperrt für 3!!! Tage!

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Wieso sollten wir diesen Menschen helfen?

Jetzt fragt ihr euch sicher was das ganze überhaupt soll. Gefängnis? Insassen? Menschen die anderen Menschen bewusst Schaden zugefügt haben? Wieso sollte man Geld und Zeit investieren, um diesen Menschen etwas Gutes zu tun?

Tatsache ist, nicht jeder Mensch dort ist von Grund auf schlecht. Vor allem in Kolumbien, sind viele Menschen in den Drogenhandel gerutscht aus reinster Armut. Wir in Deutschland und der westlichen Welt, machen es uns sehr einfach, Menschen abzustempeln ohne den wirklichen Hintergrund und die wirkliche Geschichte zu kennen. Ich habe mich entschlossen dieses Projekt zu unterstützen für genau diese Menschen. Die Menschen die es eigentlich nicht verdient haben dort zu sein, sondern (wie wir alle mal) schlechte Entscheidungen getroffen haben.

Beachte: Ich spreche jetzt nicht von Kinderschändern oder Mördern, sondern von Menschen, die durch ihr familiäres Milieu oder Armut in eine Schiene gerutscht sind, die nicht die Richtige war. Wir alle wachsen in Familien und unserem Umfeld auf, die in irgendeiner Art und Weise Einfluss auf uns und unsere Psyche haben. Wir orientieren uns an unseren Eltern und Freunden, folgen deren Beispielen, weil wir es einfach nicht anders lernen. Ich denke, dass solche Menschen eher etwas positives mitnehmen, für die Zeit nach dem Gefängnis, wenn sie eine Gruppe junge, internationale Leute sehen, die obwohl wir keinen dort kennen, einfach etwas Gutes tun wollen.

Es ist eine Erfahrung die ich nie in meinem Leben vergessen werde, die mir einiges gelehrt hat und mich motiviert weiterhin das Leben von möglichst vielen Menschen zu verbessern. Wir denken viel zu oft nur an uns, unsere Probleme, unsere Zukunft, machen kleine Probleme riesengroß und vergessen das große Bild. Überlege doch heute mal, was du machen kannst, auch wenn es noch so eine kleine Geste ist, um das Leben einer anderen Person zu erfreuen!

Habt ihr schonmal ehrenamtlich gearbeitet? Wenn ja, was genau und würdet ihr es wiederholen? Mehr Solo Travel Posts findest du hier!

PS: Alle Bilder wurden mit Erlaubnis erstellt, die Insassen haben mich sogar darum gebeten.

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3 Kommentare

  1. 19. März 2019 / 14:04

    Danke für die mega interessanten Impressionen, das war sehr spannend zu lesen!
    Liebe Grüße!

  2. 19. März 2019 / 19:14

    Wow, was für ein starker Artikel! Ich stelle es mir echt krass vor, mit den Menschen konfrontiert zu werden, die auf diese Schiene abgerutscht sind und finde es gut, dass sich die Hostelbesitzerin für sie einsetzt. Ich glaube auch, dass es für uns auch nicht ganz vorstellbar ist, wie anders die Menschen in so einem Gefängnis behandelt werden. Danke, dass du deine Eindrücke mit uns teilst!
    LG Silvia

  3. 20. März 2019 / 10:36

    Also erstmal wow und Respekt für diese meiner Meinung nach sehr spannende und auch krasse Erfahrung! Dass du dich dem Thema Mode nicht mehr widmen möchtest finde ich zwar schade, aber sehr gut nachvollziehbar. Die ganze Fashion Welt ist, wie du es schon gut auf den Punkt gebracht hast, ziemlich fucked up. Um in diese Welt einzutauchen muss man wirklich zu 100% dahinter stehen und wie du schon sagst, das Herz muss höher schlagen.

    Ich freue mich trotzdem auf spannende Artikel auf deinem Blog! 🙂

    Liebste Grüße,
    Carmen <3

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