Gedankenpost – Der Luxus sich um den Klimawandel zu scheren

Gedankenpost - Der Luxus sich um den Klimawandel zu scheren - willascherrybomb - yvonne karnath

Hallo meine Lieben,
ich kann euch jetzt schon sagen, dieser Artikel wird bei vielen Menschen auf Magenschmerzen stoßen. Hier möchte ich euch erläutern, warum ich der Meinung bin, dass es ein Luxus ist, sich für den Klimawandel zu interessieren.

Natürlich ist der Titel ein bisschen in das dramatische gezogen worden, doch generell bringt es das auf den Punkt was ich heute in diesem Artikel thematisieren möchte. Wie in jedem Gedankenpost, den ich wöchentlich veröffentliche, wurde dieser Gedanken durch eine Konversation, sowie einem TED Talk und Facebook Post in Gang gebracht. Irgendwie sollte es so sein, dass ich diesen Artikel jetzt veröffentliche. Und nein, es wird nicht eine Reihe von „Tipps“ sein, wie ihr euer Leben umstellen solltet, um dem Klimawandel entgegenzuwirken. Davon gibt es schon reichlich und sicherlich findet ihr einige Tipps auch auf meinem Blog. Ich möchte heute auf einen Gedankengang eingehen, der mir seit ich hier in Kolumbien bin, nicht mehr aus dem Kopf geht.

„Oh Gott, Kolumbien ist gefährlich“

Das war eigentlich der erste Satz, den ich zu hören bekommen habe, als ich Familien und Freunden berichtete, dass es mich nach Panama nun nach Kolumbien zieht. Mit einer erschütternden Geschichte von Drogen Kartellen und Pablo Escobar, ist Kolumbien eigentlich jedem Menschen ein Begriff. Da ich mich aber generell nicht von der Meinung anderer Menschen beeinflussen lasse und der Meinung bin, dass man sich lieber selber ein Bild machen sollte, statt dem „Hören-Sagen“ zu glauben, erreichte ich Kolumbien Anfang März.

Und nein, ich wurde weder ausgeraubt, noch abgestochen, noch wurden mir Drogen angedreht, vielmehr überraschte mich die Offenheit und Freundlichkeit der Kolumbianer. Der Kulturschock blieb allerdings dennoch nicht aus. Plastik, Müll, Abgase – Wie kann ein Land und deren Einwohner sich so wenig für die Umwelt interessieren? Im Supermarkt wird man regelrecht mit Plastiktüten beworfen. Die Einkäufe werden ungefragt in Plastiktüten verpackt und gerne auch mal doppelt „Könnte ja reißen“. In manchen Städten wie Cali gibt es verschiedenfarbige Mülltonnen, die zum Recycling einladen, doch die Realität sieht anders aus. Ein gutes Gewissen wird erzeugt, wenn man seinen Scheiß in die richtige Tonne schmeißt, doch im Endeffekt landet der ganze Müll am gleichen Ort.

Gedankenpost - Der Luxus sich um den Klimawandel zu scheren - willascherrybomb - yvonne karnath

Der Klimawandel ist ein Luxusproblem

Seit ich hier bin, denke ich darüber nach wie man das Problem in den Griff bekommen kann, versuche mich demnach in die Gedankengänge der Menschen zu versetzen. Das war auch ein Grund, warum ich mein soziales Projekt mit den Kids gestartet habe. Aus Frust und Hoffnung, dass es besser werden könnte.

In Cali habe ich mich mit einer Freundin getroffen, in gut drei Stunden haben wir jedes Thema was uns auf dem Herzen lag abklappern können, bis das Thema Umwelt zur Sprache kam. Auch hier kam die Frage auf „Wie kann ein Land und seine Bewohner so ungewissenhaft mit der Umwelt umgehen?“. Natürlich bringt es nichts mit dem Finger auf Menschen zu zeigen und zu sagen „ Du, du, du,…“, vielmehr sollte man sich das Problem aus der Distanz anschauen, um zu realisieren, dass der Klimawandel ein Problem ist, was mittlerweile ein verdammt großes Ausmaß genommen hat, aber es ist dennoch nicht greifbar. In einem Land mit einer Geschichte wie Kolumbien, wo immer noch der Drogenhandel, Gewalt und Korruption regiert, sind dies Probleme, die sich mehr greifen lassen und die scheinbar jetzt Handlungsbedarf erfordern.

Das soll nun keine Entschuldigung sein, da der Klimawandel und der Umgang mit der Umwelt ein Problem ist, dass uns alle betreffen sollte. Wir müssen uns aber auch vor Augen halten, dass wir in Deutschland (trotz einer ebenfalls grausamen Geschichte) eines dieser „erste Weltländer“ (ich hasse diese Ausdrucksweise) sind, welches bei weitem weniger Probleme hat, auch wenn wir uns gerne mal welche machen. Deutschland ist ein reiches Land, mit großer Sicherheit. Wir sind abgesichert im Falle einer Krankheit, bei Arbeitslosigkeit und generell haben wir mehr als wir benötigen. Zugespitzt könnte man demnach sagen, dass es ein Luxus ist, sich für den Klimawandel einsetzen zu können, da wir keine aktuten Probleme haben, die jetzt in diesem Moment Handlungsbedarf erfordern.

Was macht es so schwer sich für die Umwelt einzusetzen?

Jetzt könnte man sich fragen, wieso haben wir das Problem hinter dem Klimawandel und Co. nicht bereits in den Griff bekommen, wenn es doch so viele vor allem westliche Länder gibt, die mehr machen könnten und aktiver dagegen angehen sollten.
Meiner Meinung nach hat das viele Gründe, vor allem ist das Problem hinter dem Klimawandel einfach nicht greifbar. Wir kennen die Statistiken, wir sehen dass sich das Wetter verändert und wir sehen in den Nachrichten einen starken Anstieg der Umweltkatastrophen. Wir wissen es im Prinzip, doch passiert es nicht vor unserer Haustür oder glaubst du, dass wir immer noch nur zugucken und darüber reden würden, wenn wir dem Wasser direkt vor unserem Zuhause beim steigen zuschauen könnten? Wenn wir realisieren würde, dass unser Handeln jetzt darüber entscheidet, wie wir unsere letzten Tage auf Erden und unsere Kinder in Zukunft verleben werden? Ich denke nicht!

Ich schaute mir gestern den TED Talk von Greta Thunberg an, den ich euch gerne mal hier verlinke. Neben verdammt vielen wahren Argumenten, blieb mir vor allem ein Satz in Erinnerung, denn ich hier mal in eigenen Worten wiedergebe „Wie können wir von Ländern, wie Indien und Nigeria erwarten gegen den Klimawandel zu handeln, wenn wir, in den „reichen“ Ländern es genauso wenig tun?“ Vor allem nach Abschluss des Pariser Abkommens hätte viel mehr passieren sollen, auch in Deutschland. Wir sind jetzt im Jahre 2019 erst soweit, dass wir „Single-Use Plastic“ verbannen…wir haben 2019!!! Als ich 2017 Kenia bereiste, wurde zu der Zeit gerade Plastik abgeschafft und in Ruanda ist dies schon viel länger der Fall. Natürlich bringt es nicht mit dem Finger auf andere Leute zu zeigen, wir müssen alle bei uns selber anfangen, auch in Ländern wie Kolumbien. Wir haben den Vorteil, dass wir in einer Welt leben, in der wir uns Informationen selber beschaffen können. Einmal gegoogelt und schon wissen wir was Sache ist. Die Generationen, die vor uns kamen hatten dies nicht. Es wurde das geglaubt was im Fernsehen gesagt wurde, wenn dort das Problem unter den Teppich gekehrt wurde, dann wurde dies eben geglaubt.

Gedankenpost - Der Luxus sich um den Klimawandel zu scheren - willascherrybomb - yvonne karnath

Die gute, alte Ignoranz

Heute durfte ich dann auch wieder feststellen, dass obwohl der Klimawandel eines dieser Probleme ist, die uns alle betreffen und wir in Deutschland, ja so vorbildlich mit dem Recycling, etc, vorangehen (hust), leben wir dennoch in einer Gesellschaft voller Ignoranz. Ich erwarte heute zu einem Facebook Post in einer dieser Reisegruppen von einem Typen, der ganz stolz eine Webseite vorstellen wollte, die zusammenfasst welche Flüge man in welchen Ländern genommen hat. Das ganze unter der Überschrift „Mache Greta Thunberg stolz“. Des Weiteren wurde thematisiert, dass George W. Bush und Donald Trump, sich ja versprochen hätten und offenbarten, dass der Klimawandel lediglich ein Marketing Gag ist, um die „Gutmenschen“ dazu zu bringen, teure Bio Artikel zu kaufen.

Auf diesen Dünnschiss möchte ich jetzt nicht weiter eingehen, da mir meine Energie dafür zu schade ist, doch zeigt es, dass auch wir…in der wunderbaren ersten Welt, mit all unseren Reichtümern offensichtlich immer noch nicht das Wissen verbreiten das nötig ist, um wahre Veränderungen zu bewirken. Auch wir stecken in unserem Trott fest, der gute alte Alltag mit all seinem Komfort. Der Coffee-To-Go am Kiosk, auf dem Weg zur Arbeit mit dem Auto, unseren Klamotten von Primar & Co. die wir nach ein paar mal tragen wegschmeißen, weil sie kaputt sind, unseren Hund kraulen, während wir ein fettes Steak essen und schließlich Plastik, Dosen, Papier, in die „richtigen“ Tonnen schmeißen, um unser Gewissen zu beruhigen.

Tatsache ist, dass wir uns alle an die Nase fassen müssen, wir müssen unseren eigenen Konsum und unsere Verhaltensweisen in Frage stellen, um wirklich zu realisieren was wir verändern müssen- das schließt mich mit ein!

Wie steht ihr zu diesem Thema? Welche Veränderungen habt ihr in euer Leben implementiert, seit ihr von dem Problem des Klimawandels erfahren habt? Mehr Gedankenposts findet ihr hier!

Teilen:

2 Kommentare

  1. 21. April 2019 / 21:00

    Ich glaube nicht, dass der Klimawandel ein Luxusproblem ist. Denn Luxusprobleme sind solche Probleme, die man erst hat, wenn man keine anderen mehr hat. Wenn mir ein Bekannter zum Beispiel erzählt, dass er sein Auto rebooten (neu anlassen, genau!) muss, weil das Entertainment-System abstürzt, wenn sein iPhone per Blue-Tooth sich zum Auto verbinden will, dann ist das ein Luxusproblem, denn ich mit meinem alten Fiat habe das Problem nicht, oder vielmehr; kann das Problem gar nicht erst haben. Das Problem des Klimawandels haben aber alle, denn wir teilen uns halt den Planeten. Nur gibt es eben Länder und Menschen, bei denen andere Sorgen im Vordergrund stehen (müssen). Auch in Deutschland gibt es Menschen, die bei der prototypischen Frage „Jute oder Plastik“ nicht nach Gewissen entscheiden können, sondern nach Geld entscheiden müssen. Vielleicht haben wir wirklich ein gewisses Privileg, Ressourcen zu haben, um uns mit dem Thema Klimawandel zu beschäftigen. Dann ist es doch gut, wenn wir das auch tun und uns eben nicht mit Luxusproblemen rumschlagen.

  2. 21. April 2019 / 22:24

    Das ist wirklich eine interessante Ansicht….
    mit der guten alten Ignoranz ist das so eine Sache, das ist bestimmt einer der Hauptgründe aus denen wir zu wenig für die Unwelt tun.

    Der Titel ist meiner Meinung nach nicht nur zu radikal, sondern schlichtweg falsch.
    Natürlich künmern ärmere Länder sich weniger um den Klimawandel.
    Wir haben den Klimawandel hier in europa aber auch zu einem großen Teil in Gang gesetzt mit ubseren Industrien… wir haben die scheibe vom käse, die alle wollen. Natürlich kann man keine Schuld zuweisen, es ist bestimmt niemand unschuldig… aber grade ärmere Länder sind doch viel stärker von den Konsequenzen (Überschwemmungen,..) betroffen.

    Es ist kein Luxusproblem, sondern Luxus die Möglichkeit zu haben es zu ändern, eenigstens zu verlangsamen

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

Copyright

Das Copyright für veröffentlichte, vom Autor selbst erstellte Objekte bleibt allein beim Autor der Seiten. Eine Vervielfältigung oder Verwendung solcher Grafiken, Tondokumente, Videosequenzen und Texte in anderen elektronischen oder gedruckten Publikationen ist ohne ausdrückliche Zustimmung des Autors nicht gestattet.