Hola Chica – Der Sexismus in Latein Amerika

Hola Chica - Der Sexismus in Latein Amerika - willascherrybomb - yvonne karnath

Hallo meine Lieben,
heute ist mal wieder Sonntag und es ist Zeit für einen Gedankenpost. Diesmal geht es um das alleine reisen als Frau hier in Latein Amerika und welche Erfahrung ich vor kurzem in Guatemala machen musste.

Manche von euch werden sicherlich meine Instagram Story schon gesehen habe, dass mir vor ein paar Tagen etwas sehr unangenehmes in Flores, Guatemala passiert ist. Ich habe beschlossen da öffentlich drüber zu sprechen, da meiner Meinung nach mehr Sexismus auf Reisen gesprochen werden sollte.

Sexismus in Latein Amerika – Meine Gedanken

Ja, der Umgang zwischen Frau und Mann ist anders hier als in Deutschland oder allgemein der westlichen Welt. Manche Leute schieben es auf das Temperament, aber mir erscheint es hier einfach als Spiel. Neben täglichen Bemerkungen wie „Hola Linda/Mamacita/Bonita“ oder „Sexy Lady“ von auf deutsch gesagt „alten Säcken“, bis hin zu ungewollten Berührungen. Natürlich sind die Menschen hier im allgemeinen viel kontaktfreudiger als in der westlichen Welt, man wird ständig angesprochen, sei es um etwas zu verkaufen oder weil die Person einfach interessiert ist was du hier machst. Du kannst eben nicht leugnen das du ein Tourist bist. Dennoch musste ich mir auf meiner Reise schon ein dickes Fell anlegen, um mit manchen Situationen und Menschen umzugehen. Natürlich kann man es sich leicht machen und alles auf die „Mentalität“ schieben, doch zugleich sollte man Grenzen aufzeigen. „Nein“ heißt „Nein“ – auch in Latein Amerika!

Der Tag an dem ich einen Mann ins Gesicht schlagen wollte

So, berichte ich euch was mir passiert ist. Genau genommen, sind es sogar zwei Stories, die in kürzester Zeit passiert sind. Nach 10 Stunden in einem kleinen Mini Van ohne Platz bin ich in Flores, im Norden von Guatemala angekommen. Schnell eingecheckt in dem ranzigsten Hostel ever, überkam mich der Hunger und ich ging raus. Es war noch nicht so spät, aber dennoch schon dunkel. Mir kam irgendwann eine Meute von jungen Männern entgegen. Ehrlich gesagt hab ich mir nichts gedacht. Ich bin schon auf halben Weg an denen vorbeigegangen als mir einer von denen aufs übelste am Arsch grabscht. Ich war direkt auf 180, drehe mich um, versuche mir den Bubi noch zu packen, er rennt weg und ich bekomme nur noch seinen Freund am Kragen gegriffen.

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Ich sag ihm wie abgefucked das ist und wie widerlich dieser Typ ist und bemerke wie stark der Penner nach Alkohol stinkt. Ich weiß nicht mehr genau was er gesagt hat, da ich so abgelenkt war von dem Gestank und der Tatsache wie er kaum noch seine Augen offen halten konnte, doch es war irgendwas wie „Chill mal“. Ich lasse ihn los und war angewidert und geschockt zugleich. Nicht unbedingt weil sowas passiert ist, da es nicht das erste mal war, sondern vielmehr das es in Guatemala passiert ist. Ich habe in Guatemala nämlich ausschließlich offene und nette Leute kennengelernt und bin manchmal grinsend durch die Straßen gelaufen, weil ich einfach so begeistert war von der Mentalität. Natürlich lasse ich mich von dieser Erfahrung nicht beeinflussen, dennoch war es in dem Moment frustrierend.

Der schmale Grat zwischen unfreundlich sein und Grenzen aufzeigen

Ich habe ehrlich gesagt keine Probleme mehr meine Grenzen aufzuzeigen, wenn ich mich aber daran erinnere wie ich mit solchen Situationen umgegangen bin, als ich das Reisen begonnen habe, dann ist das eine ganz andere Sache. Vor allem Frauen werden so erzogen, dass sie möglichst nett und freundlich zu allen Menschen sein sollen. Das ist nicht unbedingt etwas Schlimmes, doch wenn dies bedeutet, dass andere Menschen auf der eigenen Nase rumtanzen können wie sie wollen und man damit Leben muss, dann ist es alles andere als richtig.

Erst gestern wurde ich wieder von so einem Heini verfolgt, leider wieder in Guatemala und leider waren (ich vermute mal) Drogen involviert. Ich war auf dem Weg zurück zu meinem Hostel und plötzlich kam hinter mir ein Mann angejoggt. Zu dem Zeitpunkt hatte ich Kopfhörer auf und wollte auch nur meine Ruhe haben. Aus Höflichkeit nahm ich sie ab, als er mit mir zu sprechen begann. Mal ganz davon abgesehen, dass nur wirres Zeug aus seinem Mund kam, war ich absolut nicht daran interessiert mit ihm zu sprechen, da ich merkte, dass er nicht ganz da war, wenn ihr wisst was ich meine. Noch schlimmer fand ich aber, dass er seinen Arm um meine Hüfte gelegt hat und selbst, als ich ihn weggeschubst habe, er immer wieder ankam.

Die Sache ist die, natürlich kann es schwer sein den Grat zwischen Höflichkeit und seinen Grenzen zeigen, zu finden, doch meine Devise ist – wenn du klar gemacht hast, dass du das nicht willst, aber die Person es nicht checkt oder nicht checken will, dann Adios Höflichkeit und Hallo „Rage Mode“. In meinem Fall, war es eine Ansage, dass er mich in Ruhe lassen und mich erst recht nicht anfassen soll, dem wechseln der Straßenseite und dem Kopfhörer aufsetzen. Er hat mich dann noch ein wenig verfolgt, aber dann irgendwann aufgegeben.

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„Nein“ heißt „Nein“ und nicht „Überzeuge mich“

Was mich überrascht hat, waren die ganzen Nachrichten die ich nach der Instagram Story bekommen habe, vor allem aber dass so viele Menschen einfach nicht wissen, wie es ist wenn man als Frau (aber auch als Mann) alleine reist. Zudem habe ich auch von vielen anderen Reisenden ihre Erfahrungen erläutert bekommen, so auch von Männern. Viel mehr ist es dennoch kritisch zu sagen „Zeig deine Grenzen“, „sei unfreundlich wenn es sein muss“, etc. denn dieses Problem sollte gar nicht erst entstehen. Menschen sollten verdammt nochmal lernen, wie man mit anderen, vor allem fremden Menschen umgeht und das man diese respektieren sollte.

  • Nur weil ich Shorts oder einen Rock trage, bedeutet dies nichts das ich Freiwild bin.
  • Wenn ich „Nein“ sage, dann meine ich auch „Nein“ – Schluss aus!
  • Nur weil du mir ein Getränk spendiert hast, heißt es nicht das ich dir etwas schulde!
  • Und zu guter Letzt, nur weil ich nett zu dir bin, heißt es nicht das ich Interesse an dir habe!

So, wie immer meine Gedankenposts dazu genutzt mit den Frust von der Seele zu schreiben, dennoch würde ich gerne eure Meinung hören. Wenn ihr zudem noch weitere Gedankenposts von mir lesen wollt, dann findet ihr diese hier!

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2 Kommentare

  1. 23. September 2019 / 10:10

    Hallo,
    ein Artikel, der mich sehr Interessiert hat.
    Interessiert deshalb, weil ich seit ca. 7 Jahren eine tiefe Freundschaft
    zu einer Frau aus Chile habe und wir uns in diesen 7 Jahren bis in das
    kleinste Detail kennengelernt haben. Das heißt, sie weiß alles über mein
    Leben hier in Deutschland und ich alles über ihr Leben in Chile.
    Das ganze über FB – in englischer Sprache.
    Ich weiß von ihr zum Beispiel, dass es für eine Frau in ihrer Stadt (Iquique)
    eigentlich so gut wie unmöglich ist eine Arbeit zu bekommen, ohne mit
    dem Chef Sex zu haben. Auch weiß ich von ihr, dass es fast unmöglich ist auf
    der Straße zu laufen, ohne Sexuell belästigt zu werden.

    All diese dinge konnte ich anfangs nicht glauben, aber im Laufe der Jahre
    wurde mein glaube durch ihre Erlebnisse und Schilderungen sehr stark.
    So weiß ich auch, dass die meisten der Frauen auch einen Liebhaber haben,
    der hin und wieder etwas Geld locker macht – natürlich gegen Sex.
    Die Frauen machen das nicht, weil es so toll ist, sondern um ihre Familien
    durchs leben zu bringen – all das ist natürlich sehr traurig und für uns hier
    kaum vorstellbar…

    LG
    Jürgen

  2. Larissa
    23. September 2019 / 12:10

    Danke für diesen Post! Nur weil die Menschen in diesen Ländern lockerer sind, heißt es nicht dass man sich einiges gefallen lassen muss. Ich finde es super, dass du über deine Erfahrungen sprichst und eine klare Stellung beziehst. Es freut mich, dass du auch so viel Resonanz bekommen hast.
    Liebe Grüße
    Larissa

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