Gedankenpost: Der Ernst des Lebens – Ist das Erwachsen werden?

Gedankenpost: Der Ernst des Lebens - Ist das Erwachsen werden? - willascherrybomb

Hallo meine Lieben,
heute geht es um das Thema Erwachsen werden, etwas was ich so lange vermieden habe, wie es geht und mir immer noch nicht sicher bin, ob ich das Stadium mittlerweile erreicht habe. Mehr davon erfahrt ihr hier in diesem Artikel!

Ich erinnere mich noch so gut, wie meine Tante zu mir meinte „Jetzt geht der Ernst des Lebens los“, als ich von der Grundschule auf die weiterführende Schule wechselte. Gleiches sagte sie, als ich selber beschloss von der Realschule auf das Gymnasium zu wechseln in der 9ten Klasse, dann nochmal als es mit dem Abitur losging und schließlich als ich mein Studium begonnen habe. Zu diesem Zeitpunkt wartete ich immer noch auf den „Ernst des Lebens“, sollte es nicht langsam mal losgehen?

Versteht mich nicht falsch, die Schulzeit war für mich die absolute Hölle und ich lache heute noch über die Menschen, die zu mir meinten „Du wirst die Schulzeit vermissen“, nen Scheiß tue ich. Ich mein, eine schöne Zeit war es sicherlich nicht, doch ist der „Ernst des Lebens“ wirklich die richtige Bezeichnung? Ich denke nicht!

Die ersten Schritte des Erwachsen Werdens

Das erste Mal, dass ich mehr oder weniger das Gefühl hatte, als würde der „Ernst des Lebens“ losgehen und ich nun zu der Erwachsenen-Sorte Mensch gehören, war als ich mit 19 Jahren ausgezogen bin. Damals noch um mein Studium zu beginnen, aber auch um endlich mal ein wenig Freiheit zu schnuppern. Plötzlich teile ich mir eine WG, organisierte mir einen Job, übernahm den Haushalt (obwohl meine Mutter wohl ziemlich darüber lachen würde, in ihren Augen lebte ich in einem Saustall). Aber „Ernst des Lebens“? Wenn diese eigentlich nichtssagenden Phrase bedeuten sollte, dass ich endlich die Freiheit hatte mein Leben so zu gestalten, wie ich es möchte, dann befand ich mich mittendrin.

„Du solltest mal Erwachsen werden“

Als ich dann nach meinem Studium und einem Nervenzusammenbruch in meinem 40-Stunden-vor-dem-Laptop-Praktikum beschloss das Reisen zu beginnen, konnte ich mir nur anhören, dass ich doch endlich mal Erwachsen werden sollte. Scheinbar schien es, als wolle ich dem „Ernst des Lebens“ aus dem Weg gehen, ließ mich einfach nicht auf das 9-5 Leben ein und (um Gottes Willen) einen Mann hatte ich auch nicht an meiner Seite. Ein Jahr später, als ich das erste Mal zu Weihnachten nach Hause gekommen bin, fragte mich die Frau meines Cousins „Willst du nicht mal einen Mann und Kinder kriegen?“. Ich, damals 24, schaute nur auf den Hund meiner Tante, der gerade um die Ecke gelaufen kam, zeigte auf den Hund und sagte „Ich hätte lieber sowas“.

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Ich dachte, das würde sich niemals ändern

Wunder geschehen…ich mein, ich liebe das Reisen. Das wird sich niemals ändern, doch wenn ich vergleiche wie meine Gedanken und meine Einstellung zu Beginn meiner Reise waren, dann hat sich dies nun um fast 180 Grad gedreht. Wenn ich damals gefragt wurde „Vermisst du nicht einen Rückzugsort zu haben?“ oder „Hättest du nicht langfristig gerne Menschen um dich herum, die dich kennen, statt flüchtige Bekanntschaften?“, dann habe ich keinen Drang gespürt irgendwas zu ändern.

Tatsache ist aber auch, dass ich mich bald im 5ten Jahr meiner Reise befinde, was ich immer noch verrückt finde, wenn ich darüber nachdenke und ich nun Dinge nicht mehr so leicht nehme. Probleme wie die Reisemüdigkeit oder auch das ständige Abschied nehmen, werden immer präsenter. Ich hatte auch eine kleine Epiphanie als ich einen Franzosen in Guatemala getroffen habe. Er war mit dem Van unterwegs und wir kamen so ins Gespräch. Er fragte mich, wie lange ich schon reise, etc. und als er mir erzählte, dass er seit 10 Jahren auf Reisen ist, war mein erster Gedanke nur „Heilige Scheiße das würde ich niemals wollen!“

Versteht mich nicht falsch, ich werde nie ein „normales“ Leben führen, ich werde immer viel unterwegs sein, verrückte Dinge machen und (hoffentlich) immer selbstständig bleiben. Ich habe mir dieses Leben so nach meinen Wünschen aufgebaut, doch muss ich nun auch eingestehen, dass ich mich verändert habe und meine Bedürfnisse nicht dieselben sind, wie vor 4 Jahren. Und das ist okay!

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Ich habe ein wenig das Gefühl als stehe ich wie vor 4 Jahren an dem Punkt, an dem sich mein Leben ziemlich drastisch verändern wird. Mir ist bewusst, dass gerade diese Entscheidungen, die wichtigsten, aber auch die beängstigten sind. Das Gute ist, dass ich die Freiheit habe mein Leben anzupassen und ich, dadurch dass ich es schonmal gemacht habe, nun weniger Probleme habe es durchzuziehen. Auch wenn es so scheint, als hätte ich auf Reisen keine Routine, ist es dennoch viel Kopfarbeit etwas zu ändern. Und auch das ist okay.

Ist das nun der „Ernst des Lebens“? Fühlt sich so das Erwachsen werden an? Schwierig zu sagen, doch selbst wenn es das ist. Kann ich rückblickend sagen, dass ich das gemacht habe, was sich für mich richtig angefühlt hat und das ist mehr als die meisten Menschen machen.

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