Gedankenpost: Zurück auf dem Boden der Tatsachen

Gedankenpost: Zurück auf dem Boden der Tatsachen - willascherrybomb - yvonne karnath

Hallo meine Lieben,
wie vielleicht der ein oder andere durch Instagram weiß, habe ich mir vor einigen Tagen eine Verletzung zugezogen. Natürlich war es ein Schock, doch jetzt aus der Distanz hat es viele Vorteile. Hier möchte ich daher mit euch teilen, wieso meine Verletzung mich wieder auf den Boden der Tatsachen zurückgeholt hat und ich nun das Positive aus der Situation ziehe.

Naja, wie ich mich genau verletzt habe, werde ich hier nicht erläutern, da es mega lächerlich ist und ich mich Tage danach noch so über mich selber geärgert habe. Aber jetzt mal ehrlich, die meisten Verletzungen kommen doch durch die eigene Dummheit oder einfach ein schlechter Zufall. Bei mir war es die erste Variante.

Von 100 auf 0

Die Wahrheit ist, dass ich ein richtiges Glückskind bin, ja jetzt ist es raus! Ich bin der Meinung, dass ich mich in meinem Leben absolut nicht beschweren kann. Natürlich stehen Arbeit und teilweise schwere Entscheidungen dahinter, doch möchte ich wirklich kein anderes Leben leben. Ich hab tolle Freunde, eine unterstützende Familie, einen optimalen Lebensstil für mich und bin gesund. Natürlich gibt es immer Felder in denen es was zu meckern gibt, aber ich bin eben Deutsch, das sind meine Gene.

Durch meine Verletzung habe ich allerdings realisiert, dass ich viele Punkte, vor allem die simpelsten wie das Laufen für selbstverständlich genommen habe. Es ist schade, dass immer etwas schlechtes passieren muss, um das zu schätzen was man hat, aber diese Verletzung hat mich endlich wieder auf den Boden der Tatsachen zurückgeholt. Ich war mit 100 auf der Überholspur unterwegs und wurde radikal ausgebremst.

Natürlich ist es schwer in einem Moment wie diesen das Positive zu sehen, glaubt mir. Den ersten Tag nach meiner Verletzung konnte ich nichtmal laufen, habe den ganzen Vormittag gehungert, weil ich nicht zum Supermarkt oder sonst wo laufen konnte und saß im Bett und habe geheult. Ich bin zwar eh nach am Wasser gebaut, aber diese Tränen waren mehr Frustration und Enttäuschung.

Glück im Unglück

Als ich irgendwann wieder mehr oder weniger unter Schmerzen laufen konnte, habe ich mich bei der Apotheke mit Utensilien eingedeckt und beschlossen die Perspektive zu wechseln. Schon alleine wieder ein wenig laufen zu können, hat die ganze Situation für mich viel besser gemacht. Ich dachte aber auch viel darüber nach, dass es so viele Menschen gibt die gar nicht laufen können, wo es keine Chance auf Heilung gibt und wie hart das sein muss. Gedanken, die ich schon verdammt lange nicht mehr hatte.

Ich realisierte wie viele Stufen überall sind, wie im Prinzip unmöglich es ist mit Rollstuhl und Co. unterwegs zu sein, wie schlecht die Anbindungen sind und vor allem wie vielen Blicken man ausgesetzt ist. Schon alleine als Frau bekommt man in Mexiko wahnsinnig viel Aufmerksamkeit, aber dann auch noch zu humpeln oder einen Verband zu haben, bringt das ganze ins nächste Level.

Ja, ich hatte Glück im Unglück. Ich kann wieder besser laufen, mein Bein wird heilen und die ganze Sache wird der Vergangenheit angehören. Doch ich hoffe ich werde das Gefühl und das Bewusstsein behalten, welches mir diese Situation gegeben hat.

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Wenn man plötzlich auf Hilfe angewiesen ist

Ich würde von mir behaupten, dass ich ein sehr selbstständiger Mensch bin. Nicht nur beruflich, sondern auch im Leben habe ich gerne die Zügel in der Hand und lasse mir ungern helfen. Plötzlich brauchte ich aber Hilfe.

Und das war für mich die größte Überraschung, denn es ist wahnsinnig schön zu sehen, wie hilfsbereit die Menschen hier sind. Schon an meinem ersten Tag nach der Verletzung kamen mehrere Passanten auf mich zu und fragten ob ich Hilfe benötige. Eine Frau kam sogar aus einem Restaurant gerannt. Ich wurde Treppen hochgetragen, mein Rucksack wurde für mich zur Fähre geschleppt und gestern wurde mir sogar ein Drink vom Barkeeper spendiert. Irgendwie ist mein Verband auch ein ziemlich guter Eisbrecher, denn statt meinen Backpacker Smalltalk halten zu müssen, kann ich einfach berichten was passiert ist.

Was habe ich daraus gelernt?

Einiges! Vor allem besser auf mich selber aufzupassen, dann aber auch die „kleinen“ Dinge, die eigentlich ganz groß sind mehr zu schätzen. Die eigene Gesundheit sollte an erster Stelle stehen, ohne diese bin ich aufgeschmissen – kein reisen mehr, kein arbeiten, keine Bewegung oder glücklich sein. Ich für meinen Teil musste mal wieder richtig auf die Nase fliegen, ich habe viel zu viel als selbstverständlich angesehen und mich auf mein „Glück“ verlassen. Ich bin zwar noch jung und gesund, doch das wird nicht immer so bleiben, sodass ich diese Zeit, die ich jetzt habe umso mehr auskosten möchte.

Habt ihr ähnliche Erfahrungen gesammelt? Hier findet ihr weitere Gedankenposts von mir!

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4 Kommentare

  1. 25. Oktober 2019 / 9:53

    Wirklich schön, dass du aus einer eigentlich negativen Erfahrung so tolle Gedanken ziehen kannst!

    Liebe Grüße,
    Carmen xx

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