Gedankenpost: Zurück in die Zivilisation

Gedankenpost: Zurueck in die Zivilisation - willascherrybomb - yvonne karnath

Hallo meine Lieben,
ich bin im Moment spontanerweise in den Staaten und möchte heute meine Gedanken teilen, wie es für mich ist wieder in der „Zivilisation“ zu sein.

Ich erinnere mich noch an eine Konversation mit meiner Mutter vor ein paar Wochen. Sie wird ständig darauf angesprochen, wo ich gerade bin und was ich mache. Lustigerweise kommt meine Mutter nicht mehr wirklich hinterher und generell sehen die Antworten dann so aus „Ehhhhm Mexiko? Oder vielleicht Guatemala? Oder Süd Amerika?“, doch eine Reaktion hat mich verblüfft. Wir reden eigentlich nicht darüber was meine Verwandten oder die Freunde meiner Mutter von meinen Reisen halten, da sie weiß, dass es mich zum Einen nicht interessiert und zum Anderen ich eh meinen eigenen Kopf habe und mache was ich will, egal was andere Menschen sagen. Sie berichtete mir von einer Frage, die eine Freundin ihr gestellt hat „Denkst du das Yvonne hier überhaupt noch klar kommen würde?“ Ich muss schon sagen, dass mich diese Frage ziemlich verblüfft hat, weil ich ehrlich gesagt keinen Gedanken daran verschwendet habe, wie es sein wird, wenn ich mal wieder für längere Zeit in Deutschland bin. Man gewöhnt sich verschiedene Verhaltensweisen an, verändert sein Mindset und muss lernen mehr Eindrücke in kürzester Zeit zu verarbeiten. Wenn das dann alles auf Reset gesetzt wird, weiß ich ehrlich gesagt nicht wie ich damit umgehe.

Und plötzlich bin ich wieder in der Zivilisation

Wie ich im letzten Gedankenpost schon angesprochen habe, war meine Reise nach Texas nicht wirklich geplant. Das ist doch irgendwie das Schöne am Leben, vor allem an meinem Leben, dass ich so flexibel sein kann und im Prinzip das machen kann was ich möchte. Ich dachte aber nicht, dass es für mich so eine Umstellung sein oder mir so einen Flashback geben wird, wieder in einer Großstadt zu sein. Plötzlich sind FlipFlops keine angemessenen Schuhe mehr, Autos halten tatsächlich an, um mich über die Straße zu lassen, ich brauche meinen Ausweis um Alkohol zu kaufen und Menschen die von A nach B huschen, würdigen mir keines Blickes (Jaja, auch kein „Hola Chica“).

Es ist wie damals als ich in Sydney angekommen bin nach 6 Monaten Backpacking in Asien. Ich war komplett überfordert, „Wie man darf nicht auf der Straße trinken?“, „Wie man braucht eine Lizenz um Alkohol auszuschenken?“, „Wie ich brauche eine Trilliarde Dokumente um ein Konto zu eröffnen?“,… Ich hatte nach ein paar Wochen in Sydney so die Nase voll, kam mir minderwertig vor neben all den Menschen in Anzügen und Kleidern und wollte einfach wieder in meine sorglose Welt nach Asien.

Ich fühle mich hier glücklicherweise nicht so, vielmehr hat es in mir die Gedankengänge bestätigt, die sich schon länger ab und an mal zeigen, doch die ich versucht habe zu unterdrücken.

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Eine Pause vom Backpacking?

Versteht mich nicht falsch, ich liebe das Backpacking und 4 Jahre unterwegs zu sein, ist eine lange Zeit. Ich sehe mich nicht in Deutschland, dennoch habe ich mehr und mehr den Drang Menschen langfristig in meinem Leben zu haben. Nicht nur vorübergehende Bekanntschaften, nicht mich ständig zu verabschieden, sondern vernünftige Konversationen zu führen, die über den typischen Backpacker Smalltalk hinausgehen. Fuck, ist das das Erwachsen werden?

Ich weiß, dass ich mich nun nicht niederlassen werde, dafür bin ich einfach nicht der Typ Mensch. Wenn ich schon daran denke, mich mit Dingen beschäftigen zu müssen, die ich hier überhören kann („Ich wollte mir eigentlich das Auto Bla Bla Bla kaufen, aber da hat mir XYZ nicht gefallen, daher ist es dann Bla Bla Bla geworden“, wie ich es gerade im Aufzug von zwei Mädels überhören durfte), dreht sich mir der Magen um. Ich kann mich einfach für solche Dinge nicht begeistern, doch ich weiß zugleich, dass es auch Menschen da draußen gibt, die tatsächlich interessante Dinge zu sagen haben.

Ich muss ehrlich sein…

Ich habe ein bisschen vergessen wie es ist in der Zivilisation zu sein und JA, „Zivilisation“ ist hier nicht das richtige Wort, aber ihr wisst schon was ich meine. Umgeben von Menschen zu sein, die ich verstehe, alles in unmittelbarer Nähe zu haben, nicht auf der Straße angebaggert zu werden (obwohl mein Ego das vermisst) und meinen dicken Zeh in das „traditionelle“ Leben zu stecken.

Ich weiß das ich verdammt privilegiert bin, mein Leben so zu leben wie ich es mache. Schon alleine die Chance zu haben in die USA zu reisen (was so vielen Menschen verwehrt ist), hier auf dem Dach eines Apartment Komplexes zu sitzen und den Sonnenuntergang anzuschauen, scheiße man, überhaupt am Leben zu sein.

Jaja, das ist genau diese „Feel Good“ Mist, den ich das letzte mal kritisiert habe. Dennoch versuche ich eine gute Balance zu finden, was Dankbarkeit und übertriebenem Hippie Scheiß angeht. Doch gerade da mir bewusst ist, wie privilegiert und wie absolut NICHT NORMAL mein Leben ist, habe ich das Gefühl sollte ich mich besonders stark einsetzen das Beste daraus zu machen.

Ich muss mich hier nun selber bremsen, da ich das Gefühl habe, als werde ich zu sentimental. Und die kleine Heulsuse hier kann damit nicht umgehen. Manchmal brauche ich das aber, einfach da zu sein, alles so hinzunehmen wie es ist und den Kopf für einen Moment auszuschalten.

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1 Kommentar

  1. 8. Oktober 2019 / 21:15

    Du hast das so unfassbar gut geschrieben, dass du mich direkt zum Nachdenken brachtest. Vor allem die Stelle ob das Erwachsen werden sein würde. Wirklich toller Beitrag und auf deinem weiteren Weg alles Liebe und Gute.

    Liebe Grüße, Franzi
    von http://www.smellslikefashion.de

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